Satire-Zeitung für Online-Satire

Gastbeitrag von J. von der Waxenecke

Eduard vom SteinhofLiebe LeserInnen!

Heute wollen wir Ihnen eine Geschichte eines Gastschreibers präsentieren. J. von der Waxenecke stellt uns diese heitere G’schicht großzügigerweise zur Veröffentlichung frei.

Wen der Schuh drückt - ein Bergerlebnis

Es war einmal, aus dem Leben erzählt, meine Bergschuhgeschichte.

In den späten Siebzigern, na ja, eher Anfang der Achziger, als alle Bergschuhe noch gleich aussahen, unternahmen wir, eine nette, frühpubertäre Alpenvereins-Jugend(orts)gruppe eine Bergbesteigung in den österreichischen Voralpen, können auch Mittel- oder Hinteralpen gewesen sein. Es war eine Wanderung mit Nächtigung auf einer dieser Vereinshütten in den Bergen, mit Matratzenlager, Plumpsklo gemütlichen Spanplattenstuben und Gasbeleuchtung.

Berg

© Eduard vom Steinhof -> Bergerlebnis

Am Rücken ein Rucksack, Turnschuhe für in der Hütte drin, nebenan Wurstbrote und Saftl von da Mama für unterwegs, rundherum die Bergsteigerjugend der Gemeinde, Alpenverein Sektion M…, Ortsgruppe L…, und voran unser Jugendwart, mein Papa.

Auf den oben beschriebenen Hütten läuft es folgendermaßen ab: Abendessen um sieben, Saftltrinken bis neun, Schnapsen bis zehn, auf ins Lager um halb elf. Ganz wichtig, nicht mit dem Schuhwerk in`s Matratzenlager! Deswegen auch die von Mama eingepackten Turnschuhe, und eine Taschenlampe, so ein Ding mit einem Glupschauge und einer 4,5V Blockbatterie.
Stabtaschenlampen, Hirnbirn (Stirnlampe) und dergleichen gabs noch nicht.

Die Bergschuhe standen ALLE im Schuhraum.

Im Lager dann …

Alle Alpenvereinsjugendlichen lagen auf einer Seite im Lager, alle so zwischen 13 und 15 Jahren, Männlein/Weiblein/ Männlein/Weiblein.

Zuerst Witzeerzählen, dann wird’s langsam ruhig, kuschel-kuschel, grapsch-grapsch, langsame Bewegungen im Schalfsack sehr, sehr eng.

Dann geht die Tür auf, die Erwachsenen gehen auch schlafen. Wo ist noch Platz? Taschenlampen blitzen auf. Schließlich wird es wieder ruhig. Die Aufregung verfliegt, jetzt könnt ma schlafen, is schon spät!
Noch ein Witzerl von einem Jugendlichen, hihihi, „RUHE, morgen müss ma früh raus“ der Jugendwart.

Zehn Minuten Ruhe, SHIT, der erste Erwachsene beginnt zu schnarchen. Ich hellwach. Konzentration aufs Schlafen, super, der nächste Erwachsene steigt ins Geschnarche ein.

Irgendwann schläft man dann ein…

Raschelraschel, der Hahn hat noch nicht gekräht. Ein echter Bergsteiger steht früh auf. Es ist fünf und die Taschenlampen funzeln durchs Lager. Rucksäcke werden gepackt, draußen ist´s noch finster. Jetzt noch ein bisserl schlafen, SHIT, die nächste Gruppe Bergprofis, raschelraschel…

„Tagwache, aufstehen, mir müss ma früh raus, aufwachen“, Super. Um ca. zwei bin ich eing´schlafen. OK, nun selber raschelraschel, Rucksack packen.

Frühstück, super, Schwarztee mit Zitrone und Zucker, heiß, verdammt heiß, dazu Butterbrot mit Marmelade, super, Mama hat keinen Kuchen eingepackt.
Der Jugendwart ruft zum Aufbruch, der Hahn wurde auch schon wachgeschüttelt und hat gekräht, Mensch, bin ich noch müde und SHIT, die sind alle schneller als ich.

„Jetzt komm endlich! Die meisten sind schon vor der Hütte startklar“ – „Ich komm schon.“
Auf in den Schuhraum und … wo, wie und wieso schauen alle Bergschuhe gleich aus, unten links, oben rechts, wo hab ich sie hingestellt?
„Was ist jetzt? Du bist der Letzte!“ – „ Papa ich …“ – „ Was, wo hast das´n gestern hing´stellt?“
„Na in Schuhraum. Äh unteres Drittel, Mitte“ – „ Du bist so ein Depp, schau das das findst!!!“

Wenn die Mama mit wär, die würd`s finden…, Papa:“ KOMM JETZT!!!“

SHIT SHIT! Die könnten passen. Schauen ja sowieso alle gleich aus, na ja, vorne a bisserl eng.
El Kommandante, der Wart: „Jetzt tua oba weida, nur wegen dir …“

Keine Zeit, noch ein anderes Paar zu probieren, na ja, werden schon meine sein.

„Komm jetzt, die anderen sind schon vor zwei Minuten mit dem Walter los,
(Walter, der Reservejugendwart) und Du, schon wieder der Letzte …“

Ich liebe die Berge, die frische Luft, früh aufstehen, das Gras ist noch nass, steinige, schmale Wege, „wann mach ma die erste Pause?“ – „ Nicht jetzt, wir gehen erst eine halbe Stunde, in 30 Minuten komm ma eh zur nächsten Hütte.“
„Papa, mir tun die Füße weh, die Socken rutschen, ich glaub ich hab Blasen …“

Endlich, Hütte in Sicht. Wir nähern uns und die erste Pause ruft. „Kumts Ihr von da A….hütte?“ fragt der Hüttenwirt. „Ja, warum?“ Antwort unseres Jugendwartes. „Es warat nämlich … – der Hüttnwirt von da A….hütte hot mi angruafn, ein Herr Hofrat find seine Schuach net, der is sauer …“

„JÜRGEN!“ der Jugendwart ruft! Aha, deswegn tuan ma die Fiaß weh, immer dieser Stress in da Fruah – „Du DEPP!!!“

Ich liebe die Berge … telefonier, telefonier, „Wo geht’s Ihr denn hin?“ der Hüttenwirt, „Aha, da Hofrat geht eh ah do wida owe, dem san de letzt`n Schuach vom Schuachraum vü`z groß, der diafat scho saua sein, der wollt nämlich am Gipfel, owa mit de Schuach kaun er net. Jetzt schimpfta …“

„Gebts de Schuach bei da Hittn nem an Parkplotz ob, da Hofrot hintalegt de z`Großn duat.“

Wurscht, wir gehen unsere geplante Route, der Hofrat ist eh schon sauer und „nur wegen dir, du Depp…“

„Papa, mir tan de Fiaß weh“ – „Selber Schuld“ der Jugendwart.

„Papa kennt i net …“, „ NA! SICHA NET“, „ oba Papa“, „NA, DU ZIAGST SICHA NET DE TURNSCHUACH AN, MIT DE HOST KAN HOIT“

Nun, der Tag ging vorüber, die Wanderung war zu Ende, die Schuhe wurden mit dem Hofrat getauscht (ohne direkte Konfrontation), meine Bergschuhe wurden von der Mama beschriftet, der Jugendwart, also Papa hat sich auch wieder beruhigt, „ Der Buah is so peinlich“.

Ich liebe die Berge …

J. von der Waxenecke

 

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