Staatstrauergedenktag: Der Wolf im Grafspelz!
Liebe LeserInnen!
Wir wünschten uns allen wär dieser traurige Tag erspart geblieben, aber eine armselige Bande von 109 AbgeordnetInnen konnte nicht anders als ihrer herausragenden Hirn- und Herzensschwäche freien Lauf zu lassen, um mit atemberaubender Nonchalance einen Rechtsextremen zum Vize-Vize-Nationalratspräsidenten in Österreich zu küren.
Man spricht von Usancen, Gepflogenheiten und entledigt sich auf diesem Wege, wider besseren Wissens, jeglicher Moral und politischer Vernunft. Keiner soll sagen, er hätte den Wolf im Grafspelz nicht erkannt! Viel öffentlicher kann man seine rechte Gesinnung kaum unter Beweis stellen. Zu viele seiner Zitate wären hier aufzulisten und jedes einzelne hätte genügt, ihn für derartige Jobs lebenslang zu disqualifizieren.
Wir erklären somit den 29.10. zum alljährlichen Staatstrauergedenktag “Der Wolf im Grafspelz”. Das Protokoll sieht folgende Maßnahmen vor:
- Alle HakenkringelFahnen sind in Zukunft an diesem Tag auf Halbmast zu flaggen.
- Für PolitikerInnen und BeamtInnen des Staates wird vorgeschrieben, an jedem 29.10. die Anzugfarben und Kostümfarben hellbraun, braun und dunkelbraun (Anm. d. Red.: an dieser Stelle wurde im ursprünglichen Text zusätzlich kackbraun aufgelistet) zu tragen.
- Das jugendliche Volk versammelt sich um Punkt 12:00 Uhr auf den öffentlichen Plätzen zum fröhlichen Hackenzusammenschlagen unter Aufsicht. Wer seinen rechten Arm nicht ordentlich hoch halten kann, braucht gar nicht erst kommen.
- Das Altvolk sitzt um diese Zeit bereits bierkrügelschwenkend am Stammtisch und diskutiert, wie das rechte Gedankengut unters Volk gebracht werden kann. Keiner merkt, dass es längst dort angekommen ist.
- Die schlagenden Verbindungen treffen sich zu richtig schmissigen Parties (Anm. d. Red.: der Säbelverleih befindet sich neben der Kassa links) und fordern die Bevölkerung zum freiwilligen Blutspenden auf.
- Am Abend hat sich die Stimmung zu steigern, um etwaigen Pogromen vorzubeugen. Die uniformierten Laienspielgrupppen präsentieren das Stück “Was wär ich ohne meinen Arier-Ausweis?”
- Um 23:00 ist Zapfenstreich und wer noch kann, darf anschließend ein bisschen pimpern für den deutschnationalen Nachwuchs. Jawohl!
Das werden die Gepflogenheiten sein, die sie heraufbeschwören, meine Damen und Herren Abgeordnete!
Es grüßt zutiefst betroffen
Alle Artikel des Autors: Eduard vom Steinhof

