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An Easter Carol

Eli, eli, lama asabtani? Mit diesen Worten reagierte  Kim Jong-Il am vergangenen Freitag auf seine Absetzung durch das  Politbüro des ZK der PdAK.

Victor E. Renuart jr., derzeitiger Commander der USNORTHCOM  und des  NORAD, teilte  seinem neuen Commander-in-Chief,  US-Präsident Barak Obama, bereits am 6. April  kurz und bündig mit:

No songs from Kwangmyŏngsŏng! Kim’s fucking rocket crashed into the Pacific!

Renuart hatte im Auftrag seines früheren Chefs, des seit 2006 amtierenden  Secretary of Defense Robert M. Gates, eine Beurteilung der tags zuvor im  nordkoreanischen  Musudan-ri gestarteten  Taepodong-2 gegeben, ein Raketenstart, der nach Angaben aus Pjöngjang  lediglich den Forschungssateliten Kwangmyŏngsŏng-2 in eine Erdumlaufbahn befördert habe. Nordkoreas Nachrichtenagentur  KCNA funkte gar: “Der Satellit überträgt die Melodien der unsterblichen Revolutionshymnen Lied von General Kim Il-Sung und Lied von General Kim Jong-Il sowie Messdaten zurück zur Erde.” Lediglich Chuch’e–Rhytmen soll Kwangmyŏngsŏng-2  demnach in die Welt gesputnikt haben.

Nach Renuarts Mitteilung kam ein promptes Dementi zur nordkoreanischen Darstellung aus dem nahen Tokio und dem fernen Wachington: Der Satelit habe den Orbit nicht erreicht, die erste Raketenstufe sei ins japanische Meer gestürzt, der Rest von Taepodong-2 dann zusammen mit einer etwaigen militätrischen Nutzlast in den Fluten des Pazifik versunken.

Kim Jong-Il triumphierte. Yakuzza und Yankees: Amateure unter sich! Was sollte das sein, das japanische Meer? Dieses Meer gab es  nicht!  Kim Yong-Nam hatte ihm ausdrücklich versichert, dass die erste Stufe planmäßig im Ostmeer niedergegangen sei.

Eli, eli, lama asabtani? Immer wieder hörte man am  Freitag Kim Jong-Ils Klagen im Mansudae Uisadang, dem Tagungsort der Obersten Volksversammlung. Dabei war Kim erst am  Donnerstag abend erstmals seit Monaten wieder vor die  Öffentlichkeit getreten und   hier im Uisadang, im Kreise seiner Jünger, erneut zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsausschusses erhoben worden.   Am gleichen Abend aber wurde er von  Kim Yong-Nam verraten. Ein Raketenstart zu viel! Seit Freitag Morgen ist  Kim Jong-Il abgesetzt, politisch tot! Selbst sein treuester Jünger Kim Yong-Il soll ihn während der langen Nacht im Politbüro dreimal verleugnet haben.

Kim Yong-Nam, der bereits am Samstag zu Kim Jong-Ils Nachfolger ernannt wurde,  ist es seitdem scheinbar noch nicht gelungen, Kontakt zur  neuen US-Administration aufzunehmen. Anders sind die zwischenzeitlichen Reaktionen außerhalb Nordkoreas  nicht zu erklären.  Was in westlichen Medien seit einer Woche gefordert wurde, eine Verurteilung Kim Jong-Ils, nimmt Kontur an.  Vertreter der fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrats sowie  Japan geben sich fest überzeugt, dass es sich bei Nordkoreas Raketenstart nicht um eine wissenschaftliche Mission, sondern um den  fehlgeschlagenen Start einer ballistischen Interkontinentalrakete handelte. Kim Jong-Ils Atom- und Raketenprogramm solle daher zum wiederholten Male  auf die Agenda des Sicherheitsrats gesetzt werden.

Ein letzter Versuch der Rehabilitierung Kims wurde in der Nacht zu Ostersonntag vom jungen Kim Yong-il in Pjöngjang unternommen. Um zu beweisen, dass es sich bei Kwangmyŏngsŏng-2 tatsächlich um eine Forschungsmission handele, wie Kim Jong-Il dies immer beteuert habe, veröffentlichte  KCNA im Auftrag Yong-Ils ein Satelitenbild des Kwangmyŏngsŏng-2, welches den pazifischen Ozean in der Nähe der Insel Tahiti zeigen soll.

Wie hatte Meister Kim immer verkündet: Je blauer, desto tiefer. Je unglaubwürdiger, desto glaubhafter! Es bleibt abzuwarten, ob Yong-Ils  propagandistischer Vorstoß Erfolg haben wird und sich am heutigen Ostersonntag doch noch ein Ostermärchen für Kim Jong-Il erfüllt und er so wie Osiris, Mithras oder Jesus von den Toten auferstehen kann. Aufsehenserregende Comebacks hat es in Kim Jong-Ils  Lebenszeit zuhauf gegeben. Denken Sie nur an  Pol Pot, Yussuf Islam oder … float like a butterfly, sting like a bee … Muhammed Ali!

 

Alle Artikel des Autors: C.A. Rotwang

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