Mutmaßlich Goldbarren gefunden
Liebe LeserInnen!
In unserer Redaktion wurden unlängst in einer unscheinbaren Kiste, doch wohlfeilst verpackt, drei ominöse Gegenstände abgegeben, die wir nun verzweifelt versuchen zu identifizieren und rückzuübereignen.
Es handelt sich dabei um schwere metallische Objekte, mutmaßlich Gold, Gewicht je Stück ca. 350 g. Wer der NHZ glaubhaft nachweisen kann (glaubwürdigst zu beweisen per Herkunftsangabe, Bestimmung der 3 Gegenstände sowie 5 Kisten Champagner an die Redaktion), rechtmäßigeR EigentümerIn zu sein, kann die Dinger gerne bei uns abholen kommen.

© Eduard vom Steinhof -> Mutmaßlich Goldbarren
Natürlich gilt wie selbstverständlich die gute alte Müllersregel:
Wer zuerst kommt, mahlt zuerst
Es grüßt Ihnen stets gewogen
Alle Artikel des Autors: Eduard vom Steinhof


Am 1. November 2009 um 16:30 Uhr
Sehr geehrte Redaktion der NHZ
Vor Verzweiflung weiss ich schon gar nicht mehr, wer ich eigentlich bin. Als echter Kaiman, von einem Genueser Seefahrer in spanischen Diensten entdeckt, bin ich heute eigentlich Engländer. Mir geht es miserabel, und ich schwimme verzweifelt zwischen drei Inseln hin und her, stets gierig lechzend nach Geld.
Dazu bin ein Abkömmling der Cayman Islands, denen es ebenfalls miserabel geht: Einst blühende Hochburg von Fluchtgeldern werden wir alle von üblen Institutionen die OECD, G-20 etc. ins wirtschaftliche Elend getrieben und als Steueroasen fast ausgetrocknet. Nun will nicht einmal unsere Hoheit, das Vereinigte Königreich, uns mehr helfen.
Als «Kai 123» versandte ich an die NHZ meine letzten drei Scherflein in Form von kleinen Goldbarren, beschützt von ausgewählten Abkömmlingen unserer Spezies. Es handelt sich bei diesen Objekten also quasi als geflohenes Fluchkapital, das nach dem gänzlichen Untergang sämtlicher Steueroasen unserem Unterhalt dienen soll. Bewahren sie also bitte unsere letzten Werte bis zum Abholen sorgsam auf!
Die 5 Kisten Champagner für die Redaktion kann sich die NHZ mal an den Hut stecken, die haben wir aus Verzweiflung bereits selbst versoffen. Ferner macht sich derart schweres Gepäck für die lange Reise von George Town nach Bayern gar nicht gut.
Zwecks totaler Identifikation unserer Herkunft fragen Sie einfach die drei kleinen Kaimane auf den Goldbarren. Beantworten sie keine Ihrer Fragen, sind sie vollkommen echt und tragen die Namen: G-Cay, L-Cay und Cay-B.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Kai 123
Am 6. November 2009 um 13:28 Uhr
Werter Herr Kai 123!
Ich bin zutiefst berührt vom tragischen Schicksal Ihrer selbst und natürlich Ihrer LandsleutInnen ebenso. Die Welt kann ein durchaus grausamer Ort sein. Zumal wenn man, wie man weiß, sich zur falschen Zeit am falschen Ort befindet. Ihre Fluchtbarren scheinen diesen Umstand geteilt zu haben.
Seien Sie sich aber gewiss, bei uns sind die drei Kleinen bestens aufgehoben. Auch wenn sie wirklich nicht sehr gesprächig sind, waschechten Wertgegenständen gegenüber sind wir stets tolerant und gewähren jederzeit bedingungsloses Asyl.
Das mit dem Champagner ist jedenfalls ein nicht unbeträchtliches Hindernis auf dem Weg zu einer zukünftigen Rückgabe Ihres Edelmetalls. Einfach mit dem Hinweis “haben wir selbst gesoffen” wird es sich nicht überwinden lassen. Daher bitte ich Sie, noch einmal gründlich darüber nachzudenken, wie es Ihnen möglich sein wird, eventuell mit Hilfe von Angehörigen der Anonymen Alkoholiker als Kurieren, den prickelnden Stoff in unsere Redaktion zu verfrachten.
Es grüßt fremdes Gold polierend
Eduard vom Steinhof