Koptisches Urlaubsrätsel
Lehmziegel sind schon im 7. vorchristlichen Jahrtausend in Mesopotamien im Bauwesen in Gebrauch, die heute gebrannte Form des Ziegelsteins, ein Produkt der sogenannten Grobkeramik, findet sich bereits im Babylonien des 4. vorchristlichen Jahrtausends. Ähnlich wie andere kulturell wirksame Erfindungen fand der Stein seinen Weg um den Globus und anders als andere Errungenschaften des menschlichen Erfindergeistes war er in unterschiedlichen Kulturen stets demselben Zweck verpfichtet - der Architektur. Man denke an das babylonische Ischtartor, das sich seit dem 19. Jahrhundert im Pergamonmuseum in Berlin befindet, an die Konstantinsbasilka in Trier und weitere frühchristliche wie später errichtete christliche Sakralbauten, nicht zu vergessen die Backsteingotik oder, und hierauf wollen wir näher eingehen, die Königsstadt Bagan im heurigen Myanmar. Während im burmesischen Buddhismus der Backstein wie überall sonst auf der Welt Anwendung in der Architektur fand, ist in den buddhistischen Klöstern Thailands etwas Kurioses mit dem Ziegelstein geschehen und hierauf bezieht sich die Frage des aktuellen Urlaubsrätsels.
Backsteine werden in thailändischen Wats von den buddistischen Mönchen vor allem nachmittags genutzt. Hier gilt der Ziegelstein auch nicht als mesopotamische, sondern wird , durch die Araber vermittelt, als koptische Erfindung gewürdigt, wobei sich ein arabischer Name, filfil, Pfeffer, in der Thaisprache für den Stein erhalten hat.  Was also, lieber Leser, liebe Leserin ist ein thailändischer filfil?
Hilfe: Einige Thailandreisende werden schon Sprengtürme in den Tempelbezirken der Wats gesehen haben, kleine, aus Backstein errichtete Pagoden, in den auf Wunsch und Bath in bar ein lautes Feuerwerk aus Dutzenden von Krachern von verrußten jungen, meist westlich gekleideten, Männern abgebrannt wird.

(c) Gulaschwili ~ Backsteine in der weiten Welt ~
Mit ein wenig Glück, fällt die Backsteinpagode dabei in sich zusammen.

(c) Gulaschwili ~ Backsteine in der weiten Welt ~
Dieser architektonisch-dekonstruktive Einsatz von Backsteinen in thailändischen Klöstern ist neueren Ursprungs und für den westlichen Tourismus erfunden. Für GIs, die während des Vietnamkrieges in Thailand ein wenig Zerstreuung suchten und fanden, soll eine der ersten Sprengpagoden Ende der 60er Jahre in Pataya errichtet worden sein. Damit sind diese Pagoden in etwa so alt wie Pizza und Spaghetti Napoli auf einer thailändischen Speisekarte.
Noch einmal: Was also, lieber Leser, liebe Leserin ist ein thailändischer filfil?
Alle Artikel des Autors: C.A. Rotwang

